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Kehrst du zurück aus Sternenräumen …

Copyright (c) Edition Bärenklau

Das interstellare Raumschiff COLUMBUS kehrt nach dreißig Jahren von seiner durch die Tiefen des Alls führenden Forschungsreise zur Erde zurück. Doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Terra ist fremder als der fremdeste Planet geworden.Wo sind all die Menschen geblieben?

Gemeinsam mit Werner Kurt Giesa habe ich in den Achtzigern einige Romane geschrieben, hauptsächlich im Gruselbereich: zwei Trilogien für den Gespenster-Krimi (Silbermond- und Vampir-Legende) und mehrere Beiträge zu Professor Zamorra und Damona King. Bei Ren Dhark haben wir spät auch in Sachen Science Fiction zusammengefunden. Unser allererster diesbezüglicher Versuch war aber „Die Evolutionsmaschine“, die sich stilistisch bereits stark an Kurt Brand, dem Ren-Dhark-Schöpfer, orientierte, den Werner ob seines immensen Outputs in einem Artikel für den Time Gladiator – ein damaliges Fanzine – einmal den „Hundert-Meter-Schreibroboter“ nannte. Dabei musste sich Werner schon damals mit seinen semiprofessionellen terrapress-Heftchen kaum hinter Brand verstecken.

Ich weiß nicht, wie viele Romane Werner in seinem Leben geschrieben hat, aber es muss auf die Tausend zugehen. Er tanzte auf vielen Spannungs-Hochzeiten, vom Western, über Grusel bis zu SF und Fantasy. Ob er jemals reine Krimis schrieb, entzieht sich meiner Kenntnis, aber auch so ist sein Lebenswerk, das aktuell als Ebooks innerhalb der Edition Bärenklau von Jörg Munsonius publiziert wird, mehr als beachtlich. Dabei hielt er bis zu seiner Krankheit ein durchgängig hohes Niveau, das ihm – wie man es heute ausdrücken würde – eine breite Fan-Base bescherte. Zu seinen Hoch- und Blütezeiten war er ein „Star zum Anfassen“, einer, der die Begegnung mit Fans auf Cons suchte und zelebrierte. Unvergesslich, wie er mit seinem „Stab“, bestehend aus seiner Frau Heike und engen Freunden, irgendwann anrückte und die Szene wie selbstverständlich für sich vereinnahmte. Unsere persönlichen Begegnungen bei solchen Gelegenheiten liefen immer nach dem gleichen Schema ab: Wir begrüßten uns herzlich, plauderten kurz, wurden abgelenkt … und stellten zum Ende des Abends unisono fest, dass wir mal wieder kaum zum echten Austausch gekommen waren. Das holten wir dann meist in ausgiebigen Telefonaten nach.

Zu unseren Gemeinschaftswerken wurden wir oft gefragt, wie die Zusammenarbeit bei uns ablaufe. Die Antwort ist einfach, und „Die Evolutionsmaschine“ ist ein Paradebeispiel dafür: Sechstelt man den Roman, kann man die Schnittstellen fast auf die Seite genau festlegen, wann der eine dem anderen den „Staffelstab“ übergeben hat. Zwischen Werner und mir waren keine Exposés nötig, immer nur ein paar Sätze zum Abschluss eines Parts, in denen man seine Vorstellungen über die Fortführung ausführte. Ein grobes Gerüst gab es natürlich, aber die Details erfanden wir entweder an der Schreibmaschine (mich durchläuft gerade ein nostalgischer Schauder) oder während unserer oft stundenlangen Telefonate.

Einer der Lieblingssätze Werners zur Beziehung Autor/Leser ist mir noch sehr gegenwärtig, gerade, was das oftmalige Nachbohren betrifft, wie denn bestimmte Geschehnisse für die Zukunft einer Serie zu bewerten seien. Werner pflegte es so auszudrücken: „Der Leser darf alles fragen – aber niemals alles wissen.“ Das war nicht boshaft gemeint, sondern sollte lediglich darauf hinweisen, dass Spannung nur funktionieren kann, wenn der Autor mehr über ein Geschehen weiß als der spätere Leser und dieses Wissen nur wohl dosiert preisgibt.

Das haben wir beide stets zu beherzigen versucht, und ich bemühe mich noch heute darum. Es ist traurig, dass es Werner aus gesundheitlichen Gründen nicht vergönnt war, seine Visionen, hauptsächlich für Professor Zamorra, weiterzuverfolgen und zu Papier zu bringen. Aber alle, die heute für die Serie schreiben, wissen, wie sie ihm am Herzen lag. Sie ist, wie sie dasteht, sein Kind, auch wenn er weder das Ursprungskonzept erarbeitet hat noch in den ersten hundert Bänden vertreten war. Nichtsdestotrotz hat er sie geprägt. Dieses Fundament ist uns Verpflichtung und Ansporn, es weiterhin mit neuen, ungewöhnlichen Geschichten zu bereichern.

 



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